Thursday, October 14, 2010

#200, Die Schönheit einer Landschaft in Veilchenblau (Achim)

Über die Jahre und die Flirts habe ich einen Grundsatz aus den Augen verloren, der mir einst heilig war: Sage nie die drei entscheidenden Worte vor dem ersten Kuss. Heute nun sind sie mir nach Jahren doch wieder entwischt, und die Quittung folgte sogleich.

Noch am Morgen sah ich aus dem Fenster und ließ mir die Farben der Landschaft gefallen. Der Zug fuhr durch das Elbsandsteingebirge, vorbei an Postkartenmotiven und Urlaubern in Wanderlaune, und die bunten Farben des herbstlichen Laubs hoben meine Laune. Ich liebe es, von der Stimmung und den Farben einer Landschaft erfasst zu werden, und mit Mut und frohem Herzen ließ ich die Gegend passieren.

Und nun, am Nachmittag, auf der Rückfahrt, haben die Wälder, Felsen und Kleider der Wanderer andere Farben. Der Wind scheint sich gelegt zu haben, und die einsetzende Dunkelheit legt sich auf die Farben des Laubs. Die Wanderer auf den Bahnsteigen scheinen nun müde Beide zu haben. Sie bewegen sich langsam und sprechen verhalten. Ich fahre wie durch die Schattenseite meines Wagemuts, und die Landschaft zeigt mir die Farben des Rückschlags und der aufkommenden Melancholie und ihrer heimlichen Süße, die sich mit den Schmerzen einer gepfefferten Backpfeife mischen, ein langsam dunkler werdendes Veilchenblau.

2 comments:

  1. Nachbar, der wo nur Texte der Nachbarin liest (eigentlich)October 15, 2010 at 2:32 AM

    Allerdings. Trotz der Skepsis die der erste Absatz mit sich brachte.

    Wunderschön.

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